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Alles Schwindel... ?

So häufig Menschen über "Schwindel" klagen - so vielfältig sind
die Beschwerden, die der Einzelne hierunter versteht. Von einfacher
Konzentrationsstörung oder Benommenheit über Gangunsicherheit, Dreh- und
Schwankgefühl bis hin zu Schwarzwerden vor den Augen und beginnender
Bewusstlosigkeit reicht das Spektrum, das Patienten gegenüber ihrem Arzt als
Schwindel beschreiben.
Diesen Beschwerden können dementsprechend auch eine große Anzahl ganz
unterschiedlicher Störungen und Erkrankungen zugrunde liegen.
Ein plötzlich aufgetretenes Drehgefühl kann beispielsweise eine ganz
harmlose, gut behandelbare Störung des Gleichgewichtsorgans, aber auch der
Beginn einer lebensbedrohlichen Durchblutungsstörung des Gehirns sein.
Schwindelgefühl durch Gangunsicherheit kann beim älteren Menschen allein
durch Trainingsmangel, aber auch durch eine Leitungsstörung der
Extremitätennerven (Polyneuropathie) z.B. im Rahmen einer beginnenden
Zuckerkrankheit ausgelöst werden.
Eine exakte Diagnosestellung ist daher v.a. bei neu aufgetretenen
Schwindelbeschwerden in jedem Fall erforderlich. Keinesfalls genügt es,
lediglich unspezifische Medikamente gegen Schwindel einzunehmen und auf eine
mögliche Besserung zu warten.
Wichtig für die ärztliche Diagnose: Begleitsymptome...
Für die ärztliche Diagnosestellung ist dabei zunächst entscheidend, eine
möglichst exakte Beschwerdeschilderung zu erhalten. Andere begleitende
Symptome, die für den Patienten vielleicht nicht im Vordergrund stehen wie
Ohrgeräusch, Hörminderung, Doppelbilder, verwaschene Sprache, ein
Taubheitsgefühl, eine Bewegungsstörung oder eine Schwäche der Gliedmaßen,
können wertvolle Hinweise auf mögliche Funktionsbeeinträchtigungen des
Nervensystems geben.
...und die neurologische Untersuchung
Eine anschließende, komplette neurologische Untersuchung kann dann Aufschluss
über auch nur geringgradige Auffälligkeiten der verschiedenen
Funktionsbereiche des Gehirns und insbesondere des Gleichgewichtssystems
liefern.
Neben einer Gleichgewichtsprüfung im Stehen und Gehen ist hierbei vor allem
eine Untersuchung der Augenbewegungen wichtig. Da die Stellung der Augen bei
Kopf- und Körperbewegungen oft und rasch korrigiert werden muss, um ein
verwischtes Sehen zu vermeiden, sind Gleichgewichtssystem und
Augenbewegungszentrum sehr eng durch Reflexkreise verbunden. Umgekehrt führen
dann Störungen der Gleichgewichtsverarbeitung zu einer dem Untersucher
erkennbaren Änderung dieser Augenbewegungsreflexe.
Nach einer Kreislaufuntersuchung durch den Hausarzt sollte die
Überweisung zum Neurologen erfolgen
Da auch verschiedene Störungen des Kreislaufs und der Blutdruckregulation zu
Schwindel führen können, wird der Hausarzt zunächst die dafür
erforderlichen Untersuchungen wie Blutdruckmessung, EKG usw. durchführen. Bei
hier fehlenden Auffälligkeiten wird er dann rasch eine neurologische
Untersuchung veranlassen. Der häufig als erstes oder nächstes erfolgende
Besuch beim Hals-Nasen-Ohren-Arzt ist dagegen weniger empfehlenswert, denn die
mit Schwindel einhergehenden, rasch behandlungsbedürftigen Erkrankungen
spielen sich außer am Herz-/Kreislaufsystem ausschließlich im Nervensystem
ab.
Nur der Neurologe verfügt in der Regel über das Wissen und die Ausstattung,
um die vielfältigen Störungen des Zentralnervensystems, die mit Schwindel
einhergehen können, zu erkennen, einzuordnen und die erforderliche Behandlung
einzuleiten.
Beispiel: Gutartiger Lagerungsschwindel
Eine der häufigsten und gleichzeitig sehr oft nicht erkannten Schwindelformen
ist z.B. der sogenannte, gutartige Lagerungsschwindel.
Typische Beschwerden sind ein beim Hinlegen, Aufrichten aus dem Liegen oder
Umdrehen im Bett auftretendes, heftiges Drehgefühl, das nach wenigen Sekunden
wieder abklingt.
Als Ursache wird die Bildung einer Art "Pfropfen" in den
flüssigkeitsgefüllten Gängen des Gleichgewichtsorgans vermutet, die zu
einer Überempfindlichkeit der dort lokalisierten Sinneszellen führt, da es
über eine Kolbenwirkung im betroffenen Gang zu einer lageabhängig vermehrten
Flüssigkeitsbewegung kommt.
Die Diagnose ist anhand der dabei auftretenden, charakteristischen Störung
der Augenbewegungen für den Erfahrenen leicht zu stellen. Therapeutisch
wirksam ist ausschließlich ein spezielles Lagerungstraining, das der Patient
selbst ausführen kann und innerhalb von 1-2 Wochen zur Rückbildung der
Beschwerden führt. Medikamente haben dagegen keinen Effekt.
Leider gibt es einen sehr ähnlichen, zentralen Lageschwindel, der eine
ernste Störung der Gleichgewichtszentren (Durchblutungsstörung, Entzündung)
anzeigen kann.
Jeder Patient mit den genannten Beschwerden sollte daher neurologisch
untersucht werden.
Für fachlich interessierte Leser stellen wir ergänzend den von Dr.
Richard Ippisch in der Zeitschrift "Hausarzt", dem offiziellen Organ
des österreichischen Hausärzteverbandes veröffentlichten Artikel als
PDF-Datei zur Verfügung: "Alles Schwindel ?
- Ein diagnostischer Leitfaden für den Praxisalltag"
Eigene Schwindel-Sprechstunde in unserer Praxis
In unserer Praxis stellt die Behandlung von Kopfschmerzen und Schwindel einen
Schwerpunkt dar. Bitte lesen Sie unsere weiterführenden Informationen zu der
hierzu eingerichteten Schwindelsprechstunde.
Insbesondere Notfälle können aber auch kurzfristig untersucht werden,
wobei eingehendere Untersuchungen meist erst zu einem zweiten Termin
durchgeführt werden, um Terminverschiebungen für andere Patienten möglichst
zu vermeiden. Da eine neurologische Untersuchung erst nach Ausschluss einer
allgemeinen Erkrankung durch den Hausarzt sinnvoll ist, müssen
"Notfälle" erst vom Hausarzt als solche eingeordnet und telefonisch
bei uns angemeldet werden.
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